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#wunscherfüllung#autokauf#koinzidenz

Ein lang gehegter Miniwunsch

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Ein lang gehegter Miniwunsch | story.one

Meine erste ganz große Liebe besaß ihn. Ich fand ihn so liebenswert wie seinen Besitzer. Wir hockten in ihm bei kräftigem Münchner Regen mit nur wenige Zentimeter geöffneten Seitenscheiben, hatten an die Scheibenwischer je einen langen Bindfaden geknotet und bedienten auf diese Weise laut lachend den defekten Scheibenwischer. Abwechselnd zogen wir. Rechts-links-rechts-links. Unser Lachen vermischte sich mit dem Prasseln auf den Scheiben. Wir waren toll!

Sein Name war MINI. Er trug die Farbe der Liebe. ROT.

Die Liebe wurde zerbrochen. Das ist eine eigene Geschichte, die nicht in diese 2500 Zeichen passt. Der ROTE MINI im Herzen blieb.

30 Jahre später. Mein Schatz ist ein anderer. Unsere Automobile sind grau oder schwarz und stammen aus der Stadt, in der damals der Regen fiel. Einmal musste eines in die Werkstatt und ich bekam als Leihwagen einen ROTEN MINI. Mit ihm fuhr ich zum Dienst. Als ich auf den Parkplatz kam, parkte eine Kollegin neben mir. Wir stiegen beide aus und sie meinte: “Hey, hast du ein neues Auto?” Ich klärte sie auf. “Wow, das passt aber toll zu dir!” Ich muss wohl den ROTEN MINI vom Herzen aus auch ins Gesicht transportiert haben.

Ein ROTER MINI mit WEISSEM DACH. Ich vergaß nicht, was die Kollegin mir gesagt hatte. Der Traum blieb und ich fuhr mit meinem grauen Freund weiter. Er trug uns mehrmals durch Norwegen, er hielt alles durch, er war ein zuverlässiger Partner.

Weitere 20 Jahre später … HEUTE!

Mein grauer Freund sollte heute das Grundstück für immer verlassen. Er ist nun schon 20 Jahre alt, hat 190 000 auf dem Tacho und muss immer öfter zum Doktor. Als wir kurz davor waren, das Haus zu verlassen, lief im Klassikradio Griegs “Solveigs Sång”, so als ob sich Norwegen auf diesem Wege von unserem alten Freund verabschiedete. Eine hübsche SINN-KRONE (Synchronizität)! Wir fuhren kurz darauf beim Händler auf den Hof, wo schon mein Träumchen stand und wo unser alter Freund in Zahlung gegeben werden sollte.

Ich verabschiedete mich von unserem Freund, und wandte mich mit der Verkäuferin dem kleinen neuen Schatz zu. ROT? MINI? Nein! Keineswegs! ROT am Auto mag ich heute nicht mehr so. Mit bald 70 wird man eher als Dame bezeichnet. Also wählte ich eine dezente Sandfarbe, dazu ein schwarzes Dach und schwarze Felgen. Und als Knaller rehbraune Ledersitze. Aber MINI! Ich wollte ein kleines Auto, mit dem ich gut in Parklücken komme.

Nun muss der kleine Hüpfer noch für die Übergabe vorbereitet werden. Er hat noch kein Nummernschild und auch sonst ist noch einiges dran zu tun. Daher bekamen wir einen Leihwagen, um nach Hause zu kommen. Wir gingen über den Parkplatz der Firma auf einen Wagen zu, den wir nun für zwei Tage fahren dürfen. Es ist ein … ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen … ROTER MINI mit WEISSEM DACH! Als ich einstieg, schaute ich auf die Uhr: 11 Uhr 44. ZUFALL!

Und zuhause holte ich lachend das Modellauto vom Flur, das mir mein Bruder neulich schenkte und setzte es auf die Motorhaube. Eine kleine auf einer großen SINN-KRONE!

© Ulrike Nikolai 2021-10-13

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