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An meine Schwester! (Halloween ‘201?’)

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An meine Schwester! (Halloween ‘201?’) | story.one

An Dich, die ich in der Weite hinterm Fenster suche. An eine Schwester für alle Schwestern, die einander nicht mehr finden werden, da die Zeit einen Teil der Endlichkeit verschluckte, wofür wir gemeinsam standen. In Erinnerung, heller als so mancher Stern, weiter als so manche Galaxie, hole ich Dich hinter dem Ende der Endlichkeit zurück. Nicht bloß in meine Erinnerung, nicht bloß als einen zeitlosen Teil von mir, soviel näher bist Du mir wenn ich am offenen Fenster stehe. Nichts kann mich aufhalten zu Dir zu gelangen, keine verschlossene Tür, noch ein Gitter, wodurch die Klinik abgeschottet von der mir bekannten Welt, ein Reich der Sehnsucht ist jeder Wimpernschlag.

Siehst Du sie, wo Du auch bist, sogar in einer Herbstnacht wie schön die Sonne in die späte Stunde kann tauchen. Dies und mehr ist uns das Gold des Gedankens, das Glühen des Fühlens, ein sanfter Zauber aus Schwesternliebe.

Worte reichen oft nicht aus, sie sprechen nicht und sind doch voller Melodie, wenn ich die Hand nach Dir ausstrecke und mein Herz öffne. Nichts geht je zu Ende, weder mein Lächeln, wenn ich an Dich denke, noch vergesse ich Deinen Duft bei jeder Umarmung, und zusammen beschwörten wir die Seligkeit in jedem Moment.

Liebste Schwester! Selbst in der tristesten Finsternis taste ich nach Dir und werde Dich finden. Selbst in jeder Bitterkeit schmecke ich wie süß ein Kuss von Dir ist. Denn niemand ist allein, niemand ist vergangen; Sterblichkeit und Atem sind endlich, aber unsere Liebe füreinander ist unendlich. Kein Zimmer kann mich halten, noch die Riegel am Klinikfenster, die mir die Freiheit verwehren, um Dich hinter den Nebelschaden, hinter den Wogen der geisterhaften Nacht zu finden. Mit geschlossenen Augen folge ich Deiner Stimme, mitten durch das Dunkel. Denn Du bist mir ein Fixstern, leuchtend hoch, zum Greifen nahe, drum werden wir uns auch hinter der Zeit wiedersehen.

Bald schon schlafen wir zusammen, wie früher, ich halte Deine Hand, Deine zarten kleinen Finger, die puppenhaft verspielt nach meinem Mund suchten. So werde ich das ovale Bildnis an Deinem Grab berühren.

Wenn ich dann durch die kalten Winde eile, Regen und Tränen schlucke, nehme ich es in Kauf weil jeder Schritt bringt mich näher zu Dir. Das macht mich glücklich, lässt mein Herz höher schlagen, zu wissen bald schon wirst Du den Schlag hinter meiner Brust wieder hören. Tief dringt er bis unter die schwarze dicke Erde. Mein Seufzen kriecht in den Granit und meine Bitte wird Dein Ohr erreichen. Du wirst hören, denn ich werde bei Dir sein.

Noch sitze ich hier am Fenster aber ich bin froh. Noch schaue ich hinaus und sehe schon Deinen lockenden Schatten im Nebel. Jeder Atemzug hebt die Sterne an und mit nur einem Sprung ist es getan.

Die Hecke wird mich auffangen, mir wird nichts geschehen, denn Du wachst über mich. Dann laufe ich los, ganz schnell los, hin zu Dir und werde doch weinen. Freudentränen. Schluchzen, es erbebt mein Herz.

Kleine Schwester, ich werde bei Dir sein

Weil ich Dich

Für Immer

LIEBE

© Mia Kern 2021-10-13

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