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#neueliebe

Erstens kommt es immer anders,…

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Erstens kommt es immer anders,… | story.one

Ich gestehe: Ich bin nicht unbedingt ein Frühaufsteher.

Fast immer hat mein Mann in der Früh schon Tee zubereitet. Ich komme in die Küche, kein Tee. Erstaunlich, schläft er etwa noch? Ich gehe zu seinem Bett, berühre ihn sanft an der Schulter, er rührt sich nicht, seine Hände sind warm. Auf einmal der Gedanke: Atmet er überhaupt? Nein. Erschrocken rufe ich meine Tochter an, die neben uns wohnt und Ärztin ist. Sie ist gerade noch da. Eilends kommt sie mit ihrer Ärztetasche. Nach kürzester Zeit sagt sie: Der Papa ist gestorben. Ich kann es nicht fassen. Er ist im Schlaf auf die andere Seite gegangen und liegt vollkommen friedlich da.

Um über diesen Verlust hinweg zukommen braucht es einige Zeit. Es gibt einige Männer, die mich ansprechen, doch für mich passt es einfach noch nicht, war ich doch einige Jahrzehnte mit meinem Mann zusammen.

Eineinhalb Jahre später bin ich mit einer Reisegruppe in Bregenz und schaue mir auf der Seebühne Turandot von G. Puccini an.

Wieder zu Hause lese ich in der Zeitung vom Ableben einer lieben Bekannten, die mittlerweile schon bestattet wurde. Ich rufe C. an, die mir mitteilt, sie möchte eine Gedenkfeier veranstalten, ob ich nicht kommen möchte. Ich sage zu. Es wird eine würdige Feier und ich lerne Goni kennen, der mich aber überhaupt nicht interessiert. Absolut nicht mein Typ. Dann verbringe ich einige Tage am Traunsee, lasse das Treffen Revue passieren und dann der Hammer. Goni fällt mir ein und mein Herz pocht und Liebe erfüllt mich. Wo ist er denn her? Doch irgendwo aus Oberösterreich. Das wäre was, wenn er jetzt in Traunkirchen auftauchen würde. Spielt sich nicht!

Daheim besucht mich C., erzählt mir, dass ich auf Goni Eindruck gemacht habe.so erhält er meine E-Mail Adresse und wir schreiben uns, erzählen uns aus unserem Leben. An einem Sonntag Vormittag meldet er sich, wie spontan ich sein könnte. Treffen zu einer Wanderung in der Obersteiermark noch am selben Tag. Ich sage zu. Dort nieselt es, ich bin nervös, ich kann mich doch nicht einmal mehr richtig erinnern, wie er aussieht, jedenfalls Bart. Er kommt mir mit Schirm entgegen. Aha, so sieht er aus, mittelgroß, etwas kräftig gebaut, gesprenkelte Augen. Sein Aussehen nicht meine Vorstellung, aber mein Herz spricht für ihn. Der Regen hat aufgehört und wir marschieren los und erzählen von uns. Als ich vom Tod meines Mannes berichte, kommen mir die Tränen. Er umarmt mich, drückt mich an sich und küsst mich. Ich bin überrascht, so schnell habe ich mir das nicht vorgestellt, dachte an ein längeres Kennenlernen, doch ich erwidere seine Küsse. Hand in Hand geht es weiter, wir entdecken einen Hexenring, viele frische Fliegenpilze in einem Kreis angeordnet. Wenn das nicht ein besonderes Zeichen ist. Aus der Ferne hören wir es donnern, also nicht auf den Gipfel. Kehrt, Marsch! Trocken gelangen wir ins Tal, Verabschiedung, nächstes Treffen bei mir vereinbart. Auf der Heimfahrt: Wie sage ich es meinen Kindern? Wie reagieren sie? Hat sich alles wunderbar gefügt.

© mara 2021-10-13

Wunder geschehen nun mal!

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