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#baumwelten#können#früchte

Unterschiedliche Reifezeit

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Unterschiedliche Reifezeit | story.one

Jeden einzelnen Kirschbaum kenne ich im Ort, auch unsere eigenen. Ich weiß genau, wann welcher von ihnen reife Früchte bietet. Die Allerersten gibt es auf unserer "Sommeralm". Zugegeben, der Landman ist mit ca. 400 Höhenmeter eher ein Hügel als ein Berg. Aber auf dieser Seite ist er trotzdem steil und unsere Wiese auch.

Die Früchte dieses uralten Kirschbaums sind klein, schwarz, saftig und süß. Des öfteren ist es mir passiert, dass ich mir gedacht habe: "Morgen geh' ich ernten.". Nur morgen war nichts mehr da, leergeräumt von den Staren. Ich habe gelernt, ihnen diesen Schmaus zu gönnen, denn es gibt (später) noch reichlich Auswahl für mich.

Zu viert rücken wir aus um reihum naschen zu gehen. Meistens setze ich mich auf unseren Haflinger Stuzy. Der Isländer Ljufúr ist als Handpferd mit dabei. Marjorie, reinrassige Mischlingshündin, läuft als Reitbegleithund mit.

Die Pferde wissen schon, was ansteht, wenn wir in die Nähe eines Kirschbaumes kommen. Dezent drängen sie in seine Richtung. Manchmal reite ich zuerst 10 m daran vorbei und drehe dann um. Sie sollen sich die Unsitte des Hindrängens erst garnicht angewöhnen.

Beim Baum suche ich dann einen geeigneten Ast aus und parke Stuzy darunter ein. Da ist es gut, die punktgenaue Haltparade zu können! Nicht durch ziehen an den Zügeln! Nur durch ausatmen und schwer werden. Erst wenn das nicht wirken sollte, kämen die Zügel zum Einsatz.

Eine halbe Kirsche, mit Kern, bekomme ich. Die Pferde würden die Kerne zerbeißen. Die andere Hälfte reiche ich abwechselnd Stuzy und Ljufúr. Soll ich das jetzt laut sagen? Ich reiche den Pferden die Kirschenstückchen mit zwei Fingern. Nie hat mich eines der Rösser dabei gebissen! Irgendwie passen sie die Zubeißgröße an das angebotene Leckerli an. Sie nehmen es nur mit ihren Lippen. Einen Apfel dürfte ich niemals so servieren. Da wäre ein riesen Auweh vorprogrammiert.

Marjorie sucht sich selbst am Boden ein paar süße Früchte zusammen. Das schmeckt! Wenn ich sehe, wieviele davon auf dem Boden liegen und verfaulen, tut mir das Herz weh. Heutzutage muß man schon froh sein, wenn sie die alten Bäume nicht einfach umschneiden. Neue pflanzen? Denkste. Es ist praktischer im Supermarkt Kirschen aus Italien oder sonstwo zu kaufen.

Voll mit den frischesten Vitaminen und malerisch rot bekleckert geht es wieder nach Hause. Durch die unterschiedlichen Reifezeiten haben wir eine lange Kirschengenußsaison. Schmatz!

Bild Seite 20: Taps und ich, 1995

© Hedwig Kromer 2019-05-14

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