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Die Männerfresserin

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Die Männerfresserin | story.one

Disclaimer: Keine Oldschool-Liebesgeschichte im klassischen Sinn (wäre man von mir auch nicht gewohnt). Aber im Sinne der Challenge, als Konkurrenz zum heutigen Dating-App-Wahn, funktioniert sie hoffentlich trotzdem.

Ein Klischee aber irgendwo muss es herkommen: Im Gastgewerbe geht es hinter den Kulissen nicht immer so idyllisch zu, wie man es dem zahlenden Gast vorgaukeln mag. Besonders in Betrieben mit Kost und Logis, wo man praktisch ganze Saisonen nur im und ums Hotel herum verbringt, entstehen so einige pikante Geschichten; Köche und Service, Angestellte und Gäste… Ausschwitzen können sie es alle nicht. Meist sind dies kurze Bettabenteuer, doch schon so manche langjährige Beziehung, wenn nicht sogar Ehe mit Kindern, ist aus diesem Kontext entstanden.

Ich habe zwar selbst in dem Sektor gearbeitet, war da aber schon glücklich vergeben. Diese Geschichte spielt früher und handelt von einem Bekannten, den es in seiner Kellnerkarriere einmal unweit meines damaligen Wohnorts verschlug. Ich verbrachte viel Zeit mit ihm, während der Arbeit als Motivationshilfe und nach Feierabend beim Bier. Eines Montags erzählte er mir aufgeregt, er sei verliebt. Das harmlose Flirten mit weiblichen Gästen gehört für das Personal zum Service, doch eine allein reisende, etwas ältere, aber höchst attraktive Dame sei auf seine Sprüche eingestiegen und habe ernsthaftes Interesse. Und zwar nicht an seinem Fortpflanzungsorgan, sondern an echten Emotionen!

Spulen wir ein paar Tage vor, und die beiden waren bereits während der Zimmerstunde spazieren, nach Feierabend im See baden, vor seiner Schicht im Wald picknicken und am freien Tag im Theater gewesen, und wollten am Samstag (sie reiste Sonntag ab) noch einmal auswärts gut essen gehen. Ich freute mich für ihn, denn er ließ durchklingen, dass der Kontakt auch danach nicht abbrechen und er evtl. als Nächstes eine Stelle in ihrer Nähe annehmen würde. Ich gönnte es ihm von Herzen, da er sich, wie er gern beklagte, trotz seiner imposanten Vergangenheit als Weiberer inzwischen nach Sesshaftigkeit und wahrer Liebe sehnte.

Die restliche Woche hatte ich zu tun und konnte erst wieder Sonntagabend vorbeikommen. Da erfuhr ich, dass er sich aus gesundheitlichen Gründen freigenommen hatte und auf dem Zimmer dahinsiechte. Er geht sonst mit 39° Fieber noch lächelnd arbeiten, mir schwante Übles. Der Mann, der mir öffnete, war kein 25-jähriger Don Juan, sondern ein halbtotes Wrack, das nach Schnaps und Trübsal stank und unverständlich murmelte.

Viel gutes Zureden später erzählte er mir alles. Nach dem Essen hatte sie ihn aufs Zimmer geschleift und ihn geschändet, dass es ihm jetzt den Schlaf raubte. Ich dachte an SM-Misshandlung oder Ähnliches, aber er winkte ab. Der Sex selbst war eh Top 3 seiner dreistelligen Zahl Frauen bis jetzt. Aber sie habe ihn BENUTZT! Alles GELOGEN! Die romantische Woche nur Show, damit sie nicht als Flittchen dastehe! Man hat als Dame von Welt ja einen Ruf zu verlieren…

© Gossengoethe 2021-10-12

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