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Player Island: Zweite Chancen

  • 10

„Es sieht so aus, als müssten wir die Nacht auf dem Gleis verbringen“, sagte der Zugführer. Ich sah nur weiter nach draußen.

Der Zug befand sich auf einer Brücke.

Das Wasser unter uns reflektierte den Nachthimmel.

Er war wunderschön.

Ich erkannte sogar eines der zwölf Sternzeichen, die Waage.

Wie schön wäre es dort oben zu sein, dort oben bei den Sternen wo ich frei von meinen Sorgen wäre?

Wie schön wäre es, dort oben alleine zu sein?

Ich wäre frei, ich könnte tun und lassen, was ich wollte, doch stattdessen saß ich am Boden fest, wie ein Vogel dem die Flügel ausgerissen wurden, konnte ich den Boden nicht verlassen.

Ich konnte mir noch nicht einmal das Leben nehmen.

Es gab einen Menschen, der mich brauchte, ein Mensch der mich unterstützte.

Meine Mutter, die ihren Geburtstag wohl alleine verbringen musste.

Sie litt unter Alzheimer, weshalb ich dazu gezwungen war, sie in ein Altersheim einweisen zu lassen. Sie war der einzige Grund, wieso ich weitermachen konnte, der einzige Grund weiterzuleben.

Der Zug begann zu beben, woraufhin mein Kopf gegen das Glas knallte.

„Was soll’s, heute ist wohl nur ein weiterer miserabler Tag“, murmelte ich vor mir hin. Der Zug bebte erneut, diesmal hatte ich es jedoch geschafft meinen Kopf von der Scheibe zu entfernen.

„Was passiert hier?“, rief einer der Fahrgäste.

„Mama ich hab Angst!“, rief eines der kleinen Kinder vor mir zu seiner Mutter, dies es in den Arm nahm. „Keine Angst liebes, alles wird gut.“

Das war völlig erlogen.

Wenn dein Pech einmal in Fahrt gekommen war, würde nichts gut werden!

Einige Sekunden später erlosch das Licht und die Fahrgäste brachen in Chaos aus.

„Du, du wurdest auserwählt“, eine fremde Stimme hallte in meinem Kopf.

„Wer spricht da?“, eigentlich war das auch egal, ich hatte vermutlich nur meine Grenzen erreicht und brach mental zusammen.

Das Licht schaltete sich wieder an und die Fahrgäste beruhigten sich.

„Ich werde wohl verrückt“, diese kindliche Stimme, die ich gehört hatte, was hatte sie noch gleich gesagt? Ich überlegte für einen Moment.

Dann fiel es mir ein, sie hatte gesagt, dass ich erwählt wurde.

Als würde mich jemals irgendjemand freiwillig wählen.

Das Licht schaltete sich erneut ab, doch dieses Mal brach niemand in Chaos aus.

Dieses Mal, war es vollkommen ruhig, es schien so, als wäre ich völlig allein, in dieser Dunkelheit.

Doch dann füllte eine fremde Stimme diese Stille.

„Herzlich willkommen, Player.“

© Faisal Ofosu 2022-07-17

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